Keine neue Gründerwelle für 2017 in Sicht

Für 2016 und 2017 rechnet das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) mit rückläufigen Zahlen – auch wenn sich seit Jahren mehr Freiberufler selbstständig machen.

Computer-Chips. (Foto: dpa)

Die fortschreitende Digitalisierung könnte auch für frischen Wind bei Unternehmensgründungen in Deutschland sorgen. Große Konzerne mit ihren Start-up-Einheiten und Inkubatoren machten vor, wie die Zusammenarbeit mit jungen und innovativen Firmen funktionieren könne, sagte die Präsidentin des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM), Friederike Welter, der Deutschen Presse-Agentur in Bonn. Auch der Mittelstand sollte solche Kooperationen eingehen, um zu profitieren. „Die Start-ups von heute sind der Mittelstand von morgen.“

Kurzfristig ist nach Welters Einschätzung allerdings noch keine Trendwende im Gründungsgeschehen in Deutschland in Sicht. Nach 388 000 gewerblichen Existenzgründungen 2015 rechnet sie auch für 2016 und 2017 mit insgesamt weiter rückläufigen Zahlen – auch wenn sich seit Jahren mehr Freiberufler selbstständig machten.

Als einer der Hauptgründe für die Gründerflaute gilt die seit Jahren andauernd gute Lage am Arbeitsmarkt mit einer großen Nachfrage nach hoch qualifizierten Fachkräften. Vor allem Hochschulabsolventen aus ingenieurwissenschaftlichen Fächern seien „sehr schnell weg vom Markt“ und bräuchten sich erst gar nicht nach beruflichen Alternativen zur Festanstellung umzusehen. „Trotzdem gibt es noch immer Leute, die sich nicht von einer Gründung abbringen lassen“, sagt Welter.

Große Chancen für Gründer sieht sie etwa bei Pflege und Gesundheit. „Da steckt für mich noch viel mehr Musik drin“, sagt die Professorin, die auch Vorsitzende des Sachverständigenbeirats des Förderprogramms „Exist“ zur Verbesserung des Gründungsklimas an Hochschulen und Forschungseinrichtungen ist.

Dass Deutschland in Sachen Gründerklima häufig schlechter wegkommt als etwa die USA, hält Welter nicht für gerechtfertigt. „Gerade junge Gründer sagen derzeit: Das europäische Umfeld ist viel interessanter als das Silicon Valley.“ In einigen größeren Städten – allen voran in Berlin, aber auch in München, Leipzig und Dresden – etabliere sich eine lebendige Szene.

Wichtiger als rasantes Wachstum einzelner Start-ups findet Welter dabei, dass die Unternehmen mit einem nachhaltigen Geschäftsmodell an den Start gehen. „Betriebswirtschaftlich entstehen die meisten Krisen bei Hyperwachstum.“ Deshalb sollten junge Unternehmer neben einer guten Geschäftsidee und Risikobereitschaft auch Durchhaltevermögen mitbringen, um Durststrecken überstehen zu können.