Strafzinsen für große Guthaben – Rostock zahlt schon

Als erste Sparkasse im Nordosten will die Sparkasse Vorpommern Negativzinsen für große Guthaben verlangen. Betroffen seien Guthaben ab einem siebenstelligen Betrag, sagte eine Sprecherin der Sparkasse.

Sparkassen-Logo. (Foto: dpa)

Als erste Sparkasse im Nordosten will die Sparkasse Vorpommern Negativzinsen für große Guthaben verlangen. Betroffen seien Guthaben ab einem siebenstelligen Betrag, sagte eine Sprecherin der Sparkasse. Mit den Inhabern solcher Guthaben sollen Gespräche geführt werden. Betroffen seien Firmen und institutionelle Kunden, aber keine Sparer. Das sogenannte Verwahrentgelt in Höhe von 0,4 Prozent soll den Angaben zufolge frühestens im April eingeführt werden. In jedem Fall blieben aber die ersten 100 000 Euro frei von Negativzinsen. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet.

Auch andere Sparkassen im Land denken über die Einführung von Verwahrentgelten nach, etwa die Sparkasse Mecklenburg-Schwerin. „Trotz solider Ergebnisse muss die Sparkasse auf die Wirkungen der Niedrigzinsen reagieren“, sagte Vorstandsmitglied Ulrich Kempf. Für besonders hohe Einlagen würden Gespräche über Negativzinsen zu führen sein. „Für die Sparer versuchen wir dies aber weiterhin zu vermeiden“, betonte Kempf. Beschlossen ist in Schwerin aber noch nichts, wie es hieß. Die Ostsee-Sparkasse in Rostock denkt nach Angaben einer Sprecherin aktuell nicht über Negativ-Zinsen nach.

Grund für die Überlegungen ist die Niedrigzinspolitik der EZB, die Banken Strafzinsen von minus 0,4 Prozent für gehortete Gelder bei der Notenbank in Rechnung stellt.

Neben Unternehmen können auch Kommunen von Negativ-Zinsen betroffen sein. In München ist dies bereits der Fall. Im Nordosten hingegen profitieren die hoch verschuldeten Städte sogar von den aktuellen Niedrigzinsen. „Wir erhalten seit geraumer Zeit Negativzinsen. Sie werden der Landeshauptstadt derzeit am Geldmarkt für Vereinbarungen über die Aufnahme von Liquiditätskrediten bei einigen Vertragspartnern gewährt“, sagte Stadtsprecherin Michaela Christen. „Wir erhalten also kleine Zinsgutschriften dafür, dass wir Liquiditätskredite aufnehmen – den Banken somit Liquidität abnehmen.“

Auch die Stadt Stralsund zahlt bislang keine Zinsen auf Guthaben bei den Banken. „Es liegen dem Kämmereiamt derzeit auch noch keine Informationen vor, dass dies in naher Zukunft der Fall sein wird“, sagte Stadtsprecher Peter Koslik. Bei Neuaufnahmen und Umschuldungen von Krediten lägen die Zinssätze derzeit zwischen null und 1,5 Prozent.

Auch die Stadt Rostock sieht sich als Profiteurin der Niedrigzinsen, da man trotz Konsolidierungskurses immer noch gezwungen sei, Kredite aufzunehmen. „Tatsächlich gehen die Zinsen für derzeit aufgenommene Kredite für uns nahezu gegen Null, vereinzelt konnte die Stadtverwaltung sogar schon Kreditvereinbarungen mit geringfügigem Negativzins abschließen“, sagte Stadtsprecher Ulrich Kunze. Allerdings zahle die Hansestadt auch einen negativen Zins auf Guthaben bei einer der Hausbanken.