Flash Crashs erschüttern weltweite Devisen-Märkte

Vor wenigen Tagen wurden die weltweiten Währungsmärkte von mehreren schweren Kursbewegungen erschüttert.

Trotz des Börsebooms machen die meisten Deutschen nach wie vor einen weiten Bogen um die Aktienmärkte. Foto: Arne Dedert

In der Nacht zu Donnerstag, den 3. Januar, gab es an den weltweiten Währungsmärkten schwere Kursschwankungen. Wie die Financial Times berichtet, ereignete sich ein sogenannter Flash Crash – eine plötzliche, starke Kursbewegung – des US-Dollar-Kurses zum japanischen Yen. Der Yen wertete demnach binnen Minuten um bis zu 3,7 Prozent auf.

Der australische Dollar hingegen stürzte durch Verluste von bis zu 3,5 Prozent auf den schwächsten Kurswert seit mindestens 10 Jahren. Der Außenwert des australischen Dollar ist eng mit der volkswirtschaftlichen Entwicklung in China verbunden, weil Australien zu den wichtigsten Rohstofflieferanten des Landes gehört. „Für den australischen Dollar war es ein Flash Crash, für den japanischen Yen genau das Gegenteil“, wird ein Analyst der Großbank ING Groep von der FT zitiert.

Die fragile Verfassung der Devisenmärkte mit zuletzt teils heftigen Ausschlägen innerhalb weniger Stunden bezeichnete Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann in einer Studie vom Donnerstag als „Marktversagen“. Er bezeichnete den Flash Crash am Devisenmarkt in der Nacht auf Donnerstag als „intensiver“ als ähnliche Episoden. So waren neben den heftigen Ausschlägen beim Dollar/Yen-Verhältnis zahlreiche andere Währungen wie auch das das britische Pfund oder die türkische Lira betroffen.

Die Financial Times behauptet, dass die starken Schwankungen von der Warnung des Technologiekonzerns Apple ausgelöst wurden, demzufolge man mit einem stark geschrumpften Umsatz im laufenden Finanzjahr rechne.

Verstärkt wurde der ursprüngliche Impuls höchstwahrscheinlich durch den Computerhandel. So dürften anfängliche signifikante Kursverluste des Dollar und des australischen Dollar zusammen mit der Warnung Apples vor einer Abkühlung der chinesischen Wirtschaft als starkes Verkaufszeichen gedeutet worden sein, woraufhin die Programme in großem Umfang beide Währungen abstießen. Inzwischen wird der Großteil des Wertpapierhandels von Computersystemen abgewickelt.

„Ich denke, der Anstieg des Yen gegenüber dem US-Dollar ist Folge der anhaltenden Risikoaversion der Investoren, welche den Ruf der japanischen Währung als sicherer Hafen derzeit noch verstärkt und mehr algorithmische Kauforders ausgelöst hat“, wird ein Devisenspezialist der Schweizer UBP zitiert.

„Das neue Jahr startete mit einer großen Anzahl an Indikatoren, welche auf eine wirtschaftliche Abschwächung hindeuten. Es gibt die Angst vor einer weltweiten Rezession in den kommenden Jahren. Aber die Verwerfungen der vergangenen 12 Stunden wurden von Apple hervorgerufen, dessen Umsatzwarnung viele unterschwellige Sorgen in zahlreichen Anlageklassen aktiviert hatte“, zitiert die FT einen Analysten von MUFG.

Der Flash Crash führte am Donnerstag zu einer begrenzten Bewegung der Investoren in sichere Häfen. Der Goldpreis legte um fast 5 Dollar auf rund 1288 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) zu. Der ebenfalls als sichere Investition eingestufte Yen legte um rund 1 Prozent an Wert zum Dollar zu. Die Kurse US-amerikanischer Staatsanleihen blieben hingegen praktisch unverändert.

„Die Anleger haben auf die Schwankungen reagiert, indem sie keine risikobehafteten Vermögenswerte mehr kaufen“, sagte der Chefökonom von Ostrum Asset Management in Paris. „Niemand möchte ein Risiko eingehen, weil keine der Unsicherheiten, mit denen wir konfrontiert sind, wirklich beseitigt wurde, ob es sich um den Brexit, den Handelskrieg oder die unsicheren Aussichten für die Weltwirtschaft handelt. Die Anleger legen den Kopf in den Sand und warten ab.“